Mezzanine

Der Begriff Mezzanine stammt aus der italienischen Architektur und bezeichnet das Geschoss zwischen zwei Hauptstockwerken. So erklärt sich auch die Bedeutung in der Unternehmensfinanzierung: Als Mezzanine-Kapital werden Finanzierungsinstrumente benannt, die eine Stellung zwischen Eigen- und Fremdkapital einnehmen. Experten  sprechen auch von hybriden Finanzierungsinstrumenten.

Angesichts der zunehmenden Probleme des Mittelstands bei der Kapitalbeschaffung werden mezzanine Finanzierungsformen weiter an Bedeutung gewinnen. Auch das bislang noch unterbesetzte Mittelsegment (Kapitalbedarf unter 5 Mio €) ist langsam auf dem Weg, in naher Zukunft voll erschlossen werden. Damit ist diese Art der Finanzierung auch und gerade für viele Familienunternehmen interessant.

Mezzanine-Kapital ist außerbörsliches Risikokapital, das in Form unbesicherter Darlehen ausgereicht wird. Auf Grund seiner Flexibilität kann es entweder Eigenkapital- oder Fremdkapitalcharakter aufweisen. Bei eigenkapitalgeprägtem Mezzanine-Kapital spricht man von Equity Mezzanine Capital (Junior Mezzanine) und bei fremdkapitalorientiertem von Debt Mezzanine Capital (Senior Mezzanine). In der Praxis füllt Mezzanine-Kapital eine Finanzierungslücke zwischen Fremd- und Eigenkapital in der Kapitalstruktur. So können Sie unterschiedliche, auf die spezifische Unternehmenssituation ausgerichtete Finanzierungskonzepte gestalten.

Mezzanine-Kapital weist Parallelen zum Kredit auf, da es in seiner Ausprägung in den Bereich der stillen Beteiligung fällt und als Eigenkapitalsubstitut anzusehen ist. Im Rahmen einer Bilanzanalyse wird dieses Kapital aber zumeist als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet, was die Bilanzstruktur des Unternehmens verbessert.

Mezzanine-Kapital wird nicht zuletzt wegen der flexiblen Ausgestaltung der „Rückzahlung“ zunehmend beliebter. Der Investor, der eigenkapitalähnliche („nachrangige“) Mittel zur Verfügung stellt, verlangt grundsätzlich neben einer jährlichen Zinszahlung (pay-out-Marge) eine endfällige Zinszahlung (pay-in-kind) und eine Gewinnbeteiligung (equity-kicker). Die jeweiligen Konditionen sind jedoch verhandelbar und hängen entscheidend von der Unternehmenssituation ab.

Es gibt viele Anlässe für Mezzanine-Kapital

  Kapital auf Zeit
 
  Unternehmenserwerb
 
  Erweiterungs- und Rationalisierungsinvestitionen
 
  Unternehmensübernahme durch das Management (MBO/MBI)
 
  Konsolidierung bzw. Umfinanzierung

Die wesentlichen gebräuchlichen Formen von Mezzanine-Kapital sind 

  Nachrangige Darlehen (Subordinated Depts)
 
  partiarische Darlehen
 
  Gesellschafterdarlehen
 
  Vorzugsaktien
 
  Genussscheine
 
  (typische und atypische) stille Beteiligungen

 Die Gründe für die Aufnahme von Mezzanine-Kapital sind vielfältig. An erster Stelle dürfte der Rückzug vieler Geschäftsbanken aus der Mittelstandsfinanzierung stehen. Ein Mezzanine-Investor ist für Kreditinstitute und Leasinggesellschaften oft auch das entscheidende positive Signal für die (weitere) Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Darüber hinaus sind Inhaber von Familienunternehmen nicht mehr so oft bereit, ihr (gesamtes) Privatvermögen als Sicherheit für betriebliche Verbindlichkeiten zur Verfügung zu stellen – bei Mezzanine-Kapital sind Sicherheiten durch das Unternehmen nicht üblich. Gerade Familienunternehmen bevorzugen auf lange Sicht eine gewisse Unabhängigkeit und stehen deshalb Mezzanine-Kapital aufgeschlossen gegenüber. Durch die Geldspritze können beispielsweise Familienmitglieder ausbezahlt und Nachfolgelösungen vorbereitet werden.

Zur Aufnahme von Mezzanine-Kapital eignen sich insbesondere solche Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsmodell bereits erfolgreich am Markt vertreten sind. Weil der Investor nicht die Stellung eines Gesellschafters erhält, sollten sich gerade mittelständische Familienunternehmen bei Bedarf mit dieser Finanzierungsform beschäftigen.

Allgemein kann man sagen, dass die Kosten für Mezzanine-Kapital ungefähr bei 20 % p.a. und somit zwischen der erwarteten Eigenkapitalrendite und den Fremdkapitalkosten liegen.

Obwohl Mezzanine-Kapital grundsätzlich als längerfristige Finanzierungsform anzusehen ist, wird allgemein erwartet, dass die bereits im Ausland anzutreffende Variante der Auftragsvorfinanzierung bald auch in Deutschland gängige Praxis wird.
 


 

 

 

 

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